Unfruchtbarkeit bei Kleopatra im Aquarium – Anne Mairo

 

Heute darf ich bei Station zwei der Blogtour zu „Kleopatra im Aquarium“ von Anne Mairo Euch von einem sehr ernsten Thema erzählen, über das oft nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird. Es geht um Unfruchtbarkeit und den Umgang damit. Ab wann ist man unfruchtbar und ist dies ein typisch weibliches Problem?

Doch bevor wir dazu kommen, möchte ich euch auch die anderen Stationen nicht vorenthalten.

Station 1 war die Buchvorstellung bei Sabrina. Danach findet ihr Station 2 mit dem Thema Unfruchtbarkeit bei mir. Morgen könnt ihr dann etwas zum Zusammenbleiben aus Gewohnheit bei Marie lesen. Station 4 macht halt bei Jaqueline mit dem Thema „Lebenskrise… und plötzlich ist alles falsch“ und Last but not Least findet ihr noch ein Interview bei Nadine.

Die Gewinnerbekanntgabe findet dann am Ende der Blogtour auf allen Blogs statt.

Ich möchte euch nicht lange mit Definitionen langweilen, aber ein paar Begriffe sind einfach wichtig dafür.

Klassisch spricht man von Unfruchtbarkeit wenn eine Unfähigkeit vorliegt, sich fortzupflanzen. Diese Unfruchtbarkeit kann sowohl den Mann, wie auch die Frau betreffen oder auch beide.

Von Sterilität ist oft die Rede, wenn Frau und Mann regelmäßig miteinander verkehren und nach einem Jahr aber noch keine Schwangerschaft eingetreten ist. Dagegen spricht man von Infertilität, wenn eine Frau zwar fruchtbar ist, aber kein Kind austragen kann. Bei Männern werden beide Ausdrücke aber oft gleichgestellt benutzt.

Wie stellt man nun so eine Unfruchtbarkeit fest? Man kann es entweder wie die Protagonistin machen und geht zum Frauenarzt. Männer gehen natürlich zum Urologen. Es gibt aber auch Kinderwunschzentren, die den Paaren bei der Diagnose helfen.

Für viele Frauen und Männer ist diese Diagnose ein Schlag ins Gesicht, wird man doch überall damit konfrontiert, wie wichtig es ist, Kinder zu zeugen. Die Renten müssen gesichert werden, das Sozialsystem in Deutschland funktioniert nicht ohne einen vernünftigen Kindersegen. Wie man an Monas Mutter sieht, sprechen die Eltern auch oft genug davon, was sie gern mit Enkelkindern unternehmen wollen. Ein sehr beliebtes Thema beim gemeinsamen Familienessen oder bei Geburtstagsfeiern. Nicht zu vergessen die Vergleiche mit anderen Verwandten, die vielleicht schon ein oder mehrere Kinder haben. Wo man hinschaut sieht man Schwangere, Kinderwagenschiebende Ehepaare und Übermütter und Väter. Doch was, wenn man selbst einfach keine Kinder haben kann? Dann beginnt der Spießrutenlauf.

Eine Diagnose muss her. Also geht die Frau zum Frauenarzt und da geht es auch schon los: Blutabnahmen für den Hormonstatus, einmal Rundumservice ob noch alles in Ordnung ist. Der Mann wird parallel zum Urologen geschickt. Neben Tastuntersuchungen wird auch oft ein Spermiogramm angefertigt. Dieses gibt Aufschluss darüber, wie viele gut und sehr gut bewegliche Spermien pro ml ein Mann zur Zeugung hat. Die Spermien werden auch noch in Kategorien eingeteilt, von super fitten Schwimmern bis welchen, die schon nicht mehr leben. Allerdings kann auch der „Worst case“ eintreten und es sind keine Spermien nachweisbar.

Manchmal findet man aber auch augenscheinlich keine Ursache. Mann und Frau sind kerngesund, verkehren oft genug miteinander und trotzdem stellt sich keine Schwangerschaft ein. Für solche Fälle gibt es die Kinderwunschzentren. Stellt euch einfach eine Praxis vor in die Paare hingehen und dort werden sie nochmal komplett „auf den Kopf gestellt“. Die Untersuchungen sind viel aufwendiger und oftmals wird bei einer Frau auch noch eine Eileiterdurchgängigkeitsprüfung gemacht. Denn es kann sein, dass zwar Eisprünge stattfinden, aber die Eileiter dicht sind. Dann kann es auch nicht klappen.

Es gibt unzählige verschiedene Ursachen. Eine ist aber wie bei der Protagonistin die Hyperprolaktinämie. Hyper steht immer für zu viel und heißt in diesem Fall, es ist zu viel Prolaktin im Blut vorhanden. Prolaktin in erhöhter Anzahl ist bei Schwangeren zu finden. Leidet man nun aber unter der Hyperprolaktinämie, kann eine Frau nicht schwanger werden, da der Körper „glaubt“, bereits schwanger zu sein. Ursachen für diese Erkrankung gibt es zahlreiche. Dies reicht von Tumoren über Medikamente bis hin zu Schilddrüsenunterfunktionen. Je nach Ausprägung ist aber eine Behandlung möglich.

Unfruchtbarkeit ist aber nach wie vor etwas, worüber man kaum spricht. Denn es gibt keine Garantie auf Heilung. Wie geht man nun mit so einer Diagnose um? Dazu möchte ich euch kurz etwas erzählen.

2010 habe ich selbst die Diagnose der Unfruchtbarkeit gestellt bekommen und es war ein Schock für mich. Mein Ziel war es immer, mit 27 verheiratet zu sein und bis spätestens 32 zwei Kinder zu haben. Nun schreiben wir das Jahr 2016 und beides ist nicht eingetreten. Den Verdacht äußerte damals schon meine Frauenärztin, doch weil man es sich nicht eingestehen will, versucht man einfach alles. Der männliche Part war in seiner Ehre auch etwas gekränkt und weigerte sich einen Arzt aufzusuchen. Doch die Ungewissheit nagt an einem und so wurden doch Nägel mit Köpfen gemacht und wir begaben uns in ein Kinderwunschzentrum. Beide wurden wir sehr intensiv untersucht und es stand fest: Es liegt an uns beiden.

Ich will ehrlich sein, mir fiel ein Stein vom Herzen. War ich doch nicht alleine Schuld. Ja ihr lest richtig, ich spreche von Schuld. Denn genau dies fühlte ich, ich fühlte mich schuldig, nicht der Norm zu entsprechen, nicht den gesellschaftlichen Gepflogenheiten Folge leisten zu können und ich fühlte mich schuldig, meine Familie zu enttäuschen. Da wir nicht verheiratet waren, kamen die gängigen Behandlungen erstmal nicht in Frage und so surfte ich viel im Internet, tauschte mich in einem Forum mit anderen Betroffenen aus. Dies half mir, besser mit dieser „Schuld“ umzugehen. Im ersten Moment war es mir auch gar nicht so bewusst, dass es ja nicht nur Auswirkungen auf mein Leben hat, nein auch der Partner war betroffen. Dies habe ich erst ein paar Wochen später realisiert als es zu einem Gespräch kam, über die gemeinsamen Erwartungen und Pläne, was nun geschehen soll.

Die Hoffnung wollten wir beide nicht aufgeben und so informierten wir uns, was man noch tun kann. Übergewicht war nicht gut, also versuchte ich krampfhaft abzunehmen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Viel Gemüse sollte man essen, Globulis und Tees wurden getrunken. Irgendwelche Heilkräuter für ihn besorgt etc. Es wurde einfach alles möglich unternommen, was erstmal nicht mit Tabletten zu tun hatte – es half nichts.

So ging man den zweiten Schritt und es gab ein Beratungsgespräch über die weitere Vorgehensweise. Dazu möchte ich euch die Begriffe IUI, IVF und ICSI ins Rennen bringen.
Alles sind Varianten der künstlichen Befruchtung. Es fängt an damit, dass der Samen des Mannes gewaschen und aufbereitet wird und zu einem günstigen Zeitpunkt bei der Frau eingespritzt wird (IUI). Oft wird der Eisprung mit Medikamenten ausgelöst. Dies bringt aber nichts, wenn die Schwimmer vom Mann nicht fit sind.

Dafür gibt es dann Variante zwei, die IVF. Dabei wird die Frau vorher mit starken Hormonen behandelt, die nicht ohne Nebenwirkungen sind. Kurz vorm Eisprung werden dann die Eizellen entnommen und in einer Petrischale mit dem aufbereiteten Samen des Mannes zusammengebracht. Die Spermien müssen aber noch alleine in die Eizelle schwimmen. Hat eine Befruchtung stattgefunden, werden später bis zu zwei Eizellen der Frau eingepflanzt (also in die Gebärmutter gegeben).

Geht dies auch nicht, dann geht nur Variante 3 – die ICSI. Dabei wird genau ein Spermium mit der Eizelle in Berührung gebracht, das Spermium wird mittels einer Kanüle in die Eizelle gebracht. Die Eizellen müssen sich dann entsprechend teilen und nach max. 5 Tagen werden diese wieder in die Gebärmutter der Frau eingespritzt. Per Definition ist die Frau dann schon schwanger. Doch leider gibt es keine 100%-Chance. Viele Zentren werben mit Chancen von 40%, doch manche haben nicht einmal eine Chance von 10%.

Sicherlich könnt ihr euch nun vorstellen, wie viel Kraft die Paare aufbringen müssen. Die Medikamente sind teuer und auch heute werden noch nicht alle Kosten von den Kassen gezahlt, teilweise nicht einmal 50% und eine ICSI geht ganz schön ins Geld, da können schnell mal 10.000 Euro berechnet werden. Leihmutterschaften sind in Deutschland verboten, in anderen Ländern ist dies möglich.

Wie ihr seht, es gibt schon Möglichkeiten, bei Unfruchtbarkeit zu helfen. Aber niemand kann Gott spielen und eine Schwangerschaft garantieren. Es gibt auch einige Paare, deren Beziehungen und Ehen an diesem „Problem“ zerbrochen sind. Neben zahlreichen Nebenwirkungen der Medikamente ist es auch ein psychischer Horrortrip. Man „hibbelt“ 14 Tage, wartet auf dem Bluttest und am Ende entscheidet ein Wort über Sieg oder Niederlage: Positiv oder negativ bei dem Ergebnis.

Ich habe während meiner aktiven Kinderwunschzeit viele Frauen und Paare kennengelernt und die wenigsten gingen offen damit um. Denn es ist immer noch ein Tabuthema. Wer möchte schon gern zugeben, dass er unfruchtbar ist?

Daher merkt euch eines, nur weil ein Paar bei euch im Freundeskreis schon lange zusammen und ohne Kinder ist, heißt es nicht, dass sie keine Kinder wollen, vielleicht können sie keine Kinder haben. Daher unterlasst bitte einfach Anspielungen. Man denkt sich nichts böses dabei, aber genau diese Anspielungen machen es einem noch schwerer, damit gut umzugehen. Denn sie treffen direkt ins Herz und schüren oft noch Traurigkeit und das Gefühl ausgegrenzt zu sein.

Wie ihr seht, ist es ein heikles Thema, was Anne Mairo in ihrem Buch Kleopatra im Aquarium anspricht.

Daher meine Frage an Euch: Was wären eure ersten Gedanken wenn ihr erfahrt, ihr seid unfruchtbar?

Natürlich stelle ich euch die Frage nicht einfach so. Ihr bekommt auch eine Belohnung dafür und zwar müsst ihr nur die Teilnahmebedingungen lesen und mir unten in das Kommentarfeld die Frage beantworten.

Als Gewinn winken euch:
Cover Kleopatra im Aquarium
2 Taschenbücher (1x signiert / 1x normal) und 2 eBooks im Wunschformat.

13 Gedanken zu „Unfruchtbarkeit bei Kleopatra im Aquarium – Anne Mairo

  1. Hallo ,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Ich wäre sicher sehr traurig und würde mich auch schuldig fühlen .
    Ich würde erstmal Panik und Angst kriegen .

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt (Stern44 )

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    • Hallo Margareta,

      danke dir für deinen Kommentar. Ja Angst und Panik kann ich auch verstehen, ist es doch eine einschneidende Diagnose.

      LG und ein schönes Wochenende
      Janine

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  2. Danke für den ausführlichen Beitrag! Deine Frage ist jetzt wirklich schwierig zu beantworten, da ich schon ein Kind habe und sichtbar nicht unfruchtbar bin! Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man als Frau, die gerne Mutter werden möchte, schnell die Fassung verliert und sich erstmal in sich zurückzieht! Ein Traum wird zunichte gemacht und das braucht einige Zeit , bis man sich mit dem Gedanken abgefunden hat! Vielleicht kann man sich auch mit einer Adoption anfreunden! LG Verena

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  3. Hallo Janine,

    danke für den ausführlichen Beitrag zu diesem schwierigen Thema und meinen Respekt, für deine Kraft und das du ganz offen über dich und deine Erfahrungen sprichst. Das hat dem Beitrag nur noch besser und lesenswerter gemacht. Ich selbst weiß nicht wie ich mit so einer Diagnose umgehen würde. Natürlich hoffe ich, dass ich sie niemals bekommen werde, aber wenn doch, wäre ich vermutlich erstmal geschockt und müsste mich von dem Schlag erholen.

    LG Claudia

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    • Hallo Claudia,

      die Diagnose war nicht einfach und man hegt ja immer noch einen Funken Hoffnung, dass der Körper sich doch noch anders entscheidet. Das werde ich dann irgendwann merken und solange geb ich nicht auf. Ich habe lange überlegt so offen zu reden, aber wenn wir Betroffene nicht den Anfang machen, wer dann?

      Ich wünsche dir, dass du nie die Diagnose bekommst.

      LG und eine schöne Woche

      Janine

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  4. Hallo,

    danke für den Beitrag! Ich würde wahrscheinlich zunächst am Boden zerstört sein, aber dann versuchen das Beste daraus zu machen, da es ja auch noch immer andere Möglichkeiten gibt ein Kind zu haben (z.B. Adoption)

    Lg

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    • Hallo Tiffi,
      ich muss ganz ehrlich sein, an eine Adoption hatten wir nie gedacht, auf den Gedanken kamen wir gar nicht. Sollte es aber nochmal Thema werden, werden wir bestimmt darüber nachdenken.

      LG Janine

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